Projekt: Umbau und Erweiterung eines bestehenden Lagerschuppens zu einem hochwertigen Ökologisch orientiertem Feinkostladen mit angeschlossenem Cafe im Wintergarten
Bauherr. Stiftung Loheland
Bauzeit: 6 Monate August 2016 – November 2016
Nutzfläche: 179m² im Innenbereich + Terassenfläche
Architekt: CollinProjekt
Leitgedanke: Ökologische Nachhaltigkeit, handwerkliche Exzellenz und gemeinwohlorientierte Kooperation
1. Ausgangslage und Projektziel
Das bestehende Gebäude – ein ungenutzter, pragmatisch errichteter Lagerschuppen – sollte in einen hochwertigen Öko-Feinkostladen transformiert werden. Ziel war es nicht nur, einen ästhetisch anspruchsvollen Verkaufsraum mit integriertem Café zu schaffen, sondern das Projekt als Vorbild für zukunftsfähiges, partnerschaftliches Bauen zu etablieren.
Die architektonische Herausforderung bestand darin, den rauen Charakter des Bestands mit moderner, transparenter Architektur zu verbinden und dabei strengste ökologische Kriterien einzuhalten.
2. Architektur und Raumkonzept
Das Raumprogramm teilt sich in zwei atmosphärisch differenzierte, aber fließend ineinander übergehende Bereiche:
Der Ladenbereich (Bestand)
Im ehemaligen Schuppen befindet sich der Hauptverkaufsraum. Hier dominieren klare Linien und langlebige Materialien.
Der Café-Wintergarten (Erweiterung)
Als bauliche Erweiterung wurde ein lichtdurchfluteter Wintergarten aus einer filigranen Stahl-Glas-Konstruktion angefügt. Er dient als Café- und Verweilbereich.
3. Ökologisches Material- und Sanierungskonzept
Die Sanierung und der Ausbau wurden konsequent unter dem Aspekt der Baubiologie realisiert. Es kamen ausschließlich natürliche, schadstofffreie und kreislauffähige Baustoffe zum Einsatz:
4. Das innovative Baustellenmodell: Integrierte Zusammenarbeit
Die größte Herausforderung des Projekts war die extrem kurze Bauzeit von nur sechs Monaten. Diese konnte nur durch ein völlig neu gedachtes, gemeinwohlorientiertes Organisationsmodell erreicht werden.
Das Prinzip der „Integrierten Baustelle“
Statt der klassischen, sequenziellen Abwicklung (Gewerk nach Gewerk) arbeiteten alle Handwerksbetriebe gleichzeitig und gemeinsam vor Ort. Der Fokus lag nicht auf der Gewinnmaximierung des Einzelnen, sondern auf dem gemeinsamen Projekterfolg.
Traditionell: [Abbruch] ➔ [Rohbau] ➔ [Ausbau] ➔ [Schnittstellenkonflikte]
Integriert: [ Alle Gewerke kooperieren simultan & flexibel vor Ort ]
Agiler Mitarbeitertausch und Synergien
Ein Novum im Bauwesen war der flexible Tausch von Mitarbeitern zwischen den Gewerken:
5. Fazit und Vorbildcharakter
Das Projekt beweist, dass sich höchste architektonische Qualität, strengste Öko-Standards und ein extrem enger Zeitrahmen nicht ausschließen.
Durch die Abkehr vom klassischen Konkurrenzdenken hin zu einer gemeinwohlorientierten Kooperation zwischen Architekt und Handwerkern wurde das Bauen wieder zu einem gemeinschaftlichen Kulturakt. Dieses Projekt gilt als Referenzmodell dafür, wie Respekt, Flexibilität und das gemeinsame Ziel den Bauprozess der Zukunft prägen können.